Nach Foucault
Der Zugriff der Macht (des Wissens, der Diskurse) auf den Körper besitzt in der Repression eine ihm eigene Produktivität. Mit diesem entscheidenden Gedankenschritt verlässt Foucault die Repressionstheorien seiner Zeit und gelangt zu einer grundlegenden Neukonzeption von Macht und Körper, die er als ›produktive Negativität‹ fasst. Negativität sind die Machttechnologien, weil sie sich des Verbotes, der Strafe, des Ausschlusses etc., d. h. der Negation des kulturell Positiven bedienen. Ihre Negativität ist jedoch produktiv, da sie das, was sie in ihren Praktiken negieren, durch eben diese zum Leben erwecken. Für den Körper des Individuums bedeutet dies, dass er nicht einfach ein der Macht unterworfenes Objekt darstellt, das in der Unterwerfung unter die Macht erschaffen wird (als Negativ des Positivs), sondern, dass er seine Unterwerfung/Hervorbringung in zahlreichen mikrophysischen Doubletten der Macht, als Inkorporation der Disziplin, des Diskurses, der Macht, des Wissens, der Wahrheit, wissentlich/unwissentlich und willentlich/ unwillentlich mit betreibt.
→ Das Individuum betreibt die Machtausübung aus sich selbst mit.
Insofern die Macht dem Körper nicht äußerlich ist, sondern ihn auskleidet, sind die alltäglichen kleinen Machtlinien, die zwischen Individuen verlaufen, nicht einfach Wiederspiegelungen oder Derivate der ›großen Macht‹ eines Staates, sondern das Netz, aus dem sich die ›große Macht‹ erhebt.
In der Geschichte
Die Formierung des Subjekts als Einheit aus Körper und Seele im Dispositiv von Macht/Wissen/Wahrheit ist mithin »die [erste] Bedingung der Möglichkeit [der Macht]« (DE III, 303). Diese Kurzformel erklärt, warum Foucaults Körperanalysen ab den 1970er Jahren wesentlich Theorien von Macht-, Wahrheits- und Wissenstechnologien sind; sie ebenen den Weg für die späteren Studien zur Gouvernementalität.