Der Tod des Menschen nach Foucault

Foucault (Konklusion von Die Ordnung der Dinge)
Seit dem 17.-18. Jahrhundert (Aufklärung), weil es Wissenschaftlern dann gelingt den Menschen zu definieren in Biologie, Psychologie etc. Er wird als objekt in den Blick genommen. Das gesunde, ungesunde, wahnsinnige und rationale wird definiert.

Der Mensch als selbstbestimmt, lustvolles, aktives Wesen wird absterben. Wir verlieren uns in den Wissenfundamenten und Strukturen der Aufklärung. Wissenschaftler haben immernur Strukturen gefunden, in denen wir nicht Entscheidungsfreiheit haben.

Important

[...] das Ende des Menschen [...] ist nur [...] eine der sichtbaren Formen eines weitaus allgemeineren Sterbens. Damit meine ich [...] den Tod des Subjekts, des Subjekts als Ursprung [...] des Wissens der Freiheit, der Sprache der Geschichte.
– Die Ordnung der Dinge

Beispiel in der Psychologie

Als man sich daran machte, den Menschen als mögliches Objekt des Wissens zu erforschen [...], stieß man auf ein Unbewusstes, das gänzlich von Trieben und Instinkten beherrscht war [...], die absolut nichts mit dem zu tun hatten, was man [...] von der menschlichen Freiheit [...] erwartet hatte.

Beispiel in der Biologie

[...] in der Biologie tragen die Chromosomen bekanntlich [...] sämtliche Informationen, die für die Entwicklung des jeweiligen Lebewesens erforderlich sind.

Panoptikum

Gefängniss, dass sich von Jeremy Bentham ausgedacht wurde. Wächter können, aber müssen nicht alle Insassen im Blick haben, aber Gefangene fühlen sich trotzdem gesehen.

Foucault sieht es beispielhaft für die moderne Zwangsgesellschaft. Man übt vorrausseilendes Gehorsam.

[...] es dient zur Besserung von Sträflingen, aber auch [...] zur Belehrung von Schülern, zur Überwachung von Wahnsinnigen, zur Beaufsichtigung von Arbeitern, zur Arbeitsbeschaffung für [...] Müßiggänger.
– Foucault

Derjenige, welcher der Sichtbarkeit unterworfen ist und dies weiß, übernimmt die Zwangsmittel der Macht und spiel sie gegen sich selber aus; er internalisiert das Machtverhältnis, in welchem er gleichzeitig beide Rollen spielt; er wird zum Prinzip seiner eigenen Unterwerfung.

aus dem Buch: Überwachen und Strafen
related: Social Credit Score

Diskurs

nach Foucault:

Der Diskurs ist die Gesamtheit erzwungener oder erzwingender Bedeutungen, die die gesellschaftlichen Verhältnisse durchziehen.
– Wahrscheinlich "Die Ordnung der Dinge"

Beispiel Geisteskrankheit

Die Diskurse der Geisteskrankheit [...] sagen und nicht, was das Subjekt ist, sondern nur, was es innerhalb eines bestimmten, ganz und gar besonderen Wahrheitsspiels ist.

Man ist durch Dispositive geprägt.

Dispositiv

nach Foucault:

Etymologie

Dis: Ausschluss
Positiv: Feststellbar

Geschichte

Kommt aus dem französischen Militär: Angriffs- und Verteidigungsdispositive.
Angriff: Koordinierte Plan zur Einsetzung von Waffengattungen, und schreibt exakt vor was bestimmte Waffengattungen tun sollen und was sie unbedingt zu unterlassen haben.

Bei Foucault

Dispositive bedeuten ein Ensamble, was das Gesagte, ebenso wie das Ungesagte umfasst.

[...] ich (verstehe) unter Dispositiv eine [...] Formation, deren Hauptfunktion zu einem gegenbenen historischen Zeitpunkt darin bestanden hat, auf einen Notstand zu antworten.

Beispiel: Dispositiv des Guten Amerikaners

Ein guter Amerikaner ist unbedingt ein junger, verheirateter, weißer, männlicher, städtischer, heterosexueller, protestantischer Vater, mit Collegebildung, Festanstellung, vom guten Haus und Erfolgen im Sport

Manches davon wird offen gesagt, manches nicht
Jede Amerikanerin fällt sowieso vor diesem Anspruch zurück.

Beispiel: Dispositiv des Urlaubs

Antwort auf den "Notstand", die Sozialisten zu bekämpfen im Kaiserreich.
Im Bundesurlaubsgesetz:
Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten

Anwendung in einer Zwangssituation

  1. Was ist das dahinterstehende Dispositiv?
  2. In welcher Zeit wurde das dahinterstehende Dispositiv aufgerichtet?

Es gibt im Leben Augenblicke, da die Frage, ob man anders denken kann, als man denkt [...] unentbehrlich ist.

Ganzes Foucault Zitat

„Was ich unter […] [Dispositiv] festzumachen versuche ist erstens ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes umfasst. Soweit die Elemente des Dispositivs.
Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.
Zweitens möchte ich mit dem Dispositiv gerade die Natur der Verbindung deutlich machen […] Kurz gesagt gibt es zwischen diesen Elementen, ob diskursiv oder nicht, ein Spiel von Positionswechseln und Funktionsveränderungen […]
Drittens verstehe ich unter Dispositiv eine Art von – sagen wir – Formation, deren Hauptfunktion zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt darin bestanden hat, auf einen Notstand (urgence) zu antworten. Das Dispositiv hat also eine vorwiegend strategische Funktion.“
– Foucault: Dispositive der Macht

Wahnsinn nach Foucault

aus Wahninn und Gesellschaft (Foucault's Doktorarbeit). Eine Geschichte der abendländischen Vernunft aus der Perspektive des Wahnsinns.

Den Wahnsinn findet man nicht im Naturzustand.
– Wahnsinn und Gesellschaft

"Der Irre kann [...] nicht für sich wahnsinnig sein, sondern nur in den Augen eines Dritten, der allein die Vernunfttrübung von der Vernunft zu unterscheiden vermag."
– Foucault

[...] der Wahnsinn [...] ist totale Vernunftlosigkeit, die man [...] auf dem Hintergrund der Strukturen der Vernünftigkeit wahrnimmt
– Wahnsinn und Gesellschaft

In gewissem Sinne schließen die Mauern der Internierungshäuser das Negativ [...] ein [...]: eine moralische Gemeinschaft, die denen vorbehalten bleibt, die sich von Anbeginn ihr unterwerfen [...].
– Wahnsinn und Gesellschaft

Wahnsinn in der Geschichte

Mittelalter und Renaissance

Diese Welt vom Anfang des siebzehnten Jahrhunderts ist auf eigenartige Weise gastfreundlich gegenüber dem Wahnsinn.
– Wahnsinn und Gesellschaft

Auf allen Seiten faszinierte der Wahnsinn den Menschen
– Wahsinn und Gesellschaft

Im Mittelalter und in der Renaissance erlaubte man den Irren, im Schoß der Gesellschaft zu leben.
Der sogenannte Dorftrottel [...] wurde von den anderen ernährt und versorgt.
– Wahnsinn und Gesellschaft

→ Hoofnarr; Narr im Theater

vor Moderne

nach dem Dekret von 1656 vom Sonnenkönig: Alle Irren und Landstreicher sollen in Hospizen (ehemalige Leprahäuser) eingesperrt werden.

Die Lepra verschwindet, die Leprakranken sind fast vergessen, aber die Strukturen bleiben. Oft kann man an denselben Orten zwei, drei, Jahrhunderte später die gleichen Formeln des Ausschlusses in verblüffender Ähnlichkeit wiederfinden. Arme, Landstreicher [...] und verwirrte Köpfe spielen die Rolle, die einst der Leprakranke innehatte [...].
– Wahnsinn und Gesellschaft

Massengefängnisse und Irrenhäuser entstehen (→ Kliniken nach Foucault?)

Moderne

Auch in der Humanistischen Welt bestehen die Strukturen des Ausschlusses, obwohl man versuchte sie zu heilen.

[...] bei dieser großen Gefangenschaft [...] ist das wesentliche und neue Element, daß nicht mehr das Gesetz verurteilt.
– Wahnsinn und Gesellschaft

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts manifestiert sich das Leben der Unvernunft nur noch im Aufblitzen von Werken wie Hölderlins, [...] Nietzsches oder Artaubs, [...] weil sie durch ihre eigene Kraft jenem gigantischen [...] Gefangenendasein widerstehen.
– Wahnsinn und Gesellschaft

Führt zu einem riesigen Normalisierungsdruck.

Aufklärung

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Disziplinierung nach Foucault

Aus Foucault's Buch "Überwachen und Strafen"

In der Vergangenheit: Immer eine Strafe gegen den Körper: Enthaupten, Verbrennen, Brandmarken etc.

Strafen In der Aufklärurng nach Foucault

Einsperrung an Stelle von Folter des Körpers. Eine Strafe gegen den Geist.
Erfindung des Panoptikums. Es wird versucht zu resozialiseren, also zu normalisieren.

Die „Aufklärung“, welche die Freiheiten entdeckt hat, hat auch die Disziplinen erfunden.
– Die Ordnung der Dinge

Wir sind [...] eingeschlossen in das Räderwerk der panoptischen Maschine, das wir selbst in Gang halten – jeder ein Rädchen.
– Überwachen und Strafen

→ z.B. Informationen preißgeben auf Facebook

Normalisierung nach Foucault

Der moderne Mensch ist sein eigener Gefängnisdirektor.
– Überwachen und Strafen

Die Normalitätsrichter sind überall anzutreffen. Wir leben in der Gesellschaft [...] des Richter-Arztes, des Richter Pädagogen, des Richter Sozialarbeiters; [...] Ihm unterwirft ein jeder [...] die Verhaltensweisen [...].
– Überwachen und Strafen

Das lückenlose Strafsystem, das alle Augenblicke [...] erfaßt und kontrolliert, wirkt [...] normend, normierend, normalisierend.
– Überwachen und Strafen

Nicht ein großes Spektakel mehr

Es gibt nicht mehr das eine Spektakel der Hinrichtung, aber viele kleine Züchtigungen.

So also hat man sich die Strafgesellschaft vorzustellen: [...] tausend kleine Züchtigungstheater.
– Überwachen und Strafen

Die Macht wird tendenziell unkörperlich
– Überwachen und Strafen

Macht nach Foucault

[...] „die“ Macht mit ihrer [...] Selbsterzeugung ist nicht eine Mächtigkeit einiger Mächtiger.

→ Mikrophysik der Macht, jeder nimmt daran Teil

Unterscheidung zu Marx und zur Kritischen Theorie

Episteme nach Foucault

In einer Kultur, und in einem bestimmten Augenblick, gibt es immer nur eine episteme, die die Bedingungen definiert, unter denen jegliches Wissen möglich ist
– Die Ordnung der Dinge

Episteme definiert also die Grundbedingungen der Wissensproduktion.
(huh?? Abgrenzung zu Dispositiv???)

Übergang der Episteme

Der Held bei Cervantes, der [...] durch das alleinige Spiel der Ähnlichkeit Schlösser in den Herbergen und Damen in den Bauernmädchen entschlüsselte, machte sich zum Gefangenen, ohne dass er es wußte [...].
– Die Ordnung der Dinge

Er hatte in der beginenden Moderne gelebt, aber immernoch die alte Episteme von Ehrlichkeit und Tugend hochgehalten - macht ihn lächerlich/verrückt aus Sicht moderner Menschen.

Episteme über die Zeit

Episteme der Renaissance (16. Jahrhundert)

In der Renaissance war die Episteme die Repräsentationen und Ähnlichkeit. Alles wird auf Kosmos und Schöpfung rückbezogen.

Sein Fleisch ist eine Scholle, seine Knochen sind Felsen, seine Adern große Flüsse. Seine Harnblase ist das Meer [...].
– Die Ordnung der Dinge

Episteme der Klassik (17.-18. Jahrhundert)

Episteme der Moderne (19. Jahrhundert)

Der Tod des Menschen nach Foucault

Strukturalismus

Im Kontrast zu Poststrukturalismus

In der Sprache

Ferdinand de Saussure hat die Idee, dass die Sprache nicht nur ein Hilfsmittel des Menschen, sondern die Sprache bringt den Menschen erst hervor und prägt ihn.

Wittgenstein: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“

In den Mythen

Linguistische Idee vom Ethnologen Claude Lévi-Strauss übernommen und auf Mythen übertragen. Die Mythen der Gesellschaft bestimmen das Dasein.

Poststrukturalismus

Im Kontrast zu Strukturalismus

Foucault

Foucault ist erst Strukturalist, weil er Dispositive der Gesellschaft identifiziert, aber er sagt, wenn es einem gelingt, dies Dispositive freizulegen, dann kann man sich ein Stück weit von den Strukturen befreien

Philosophie ist eine Bewegung, mit deren Hilfe man sich [...] von dem freimacht, was für wahr gilt, und nach anderen Spielregeln sucht.