Idee gegen die marxistische Abwertung des Körpers zugunsten der Ideologie
Denn wenn die Macht nur die Funktion hätte zu unterdrücken, wenn sie nur im Modus der Zensur, der Ausschließung, der Absperrung, der Verdrängung nach Art eines mächtigen Über-Ichs arbeiten, wenn sie sich nur auf negative Weise ausüben würde, dann wäre sie sehr zerbrechlich. Stark aber ist sie, weil sie positive Effekte auf der Ebene des Begehrens – und allmählich bildet sich ein Wissen davon – und auch auf der Ebene des Wissens hervorbringt. Die Macht ist weit davon entfernt, das Wissen zu verhindern, sie bringt es vielmehr hervor. (DE II, 937)
Das Wissen der Macht um den Körper ist für Foucault gleichbedeutend mit dessen materieller und symbolischer Erzeugung. Weil der Körper untrennbar eingewoben ist in die Verschränkung von Macht und Wissen, bestimmen diese ihn bis in jene inneren Bereiche, an denen das Subjekt denkt, ganz es selbst und bei sich zu sein. Es reicht mithin nicht länger aus, sich der Machtspiele bewusst zu werden, um sich ihr zu entziehen (hier trifft sich seine Kritik an Marx mit der an Freud), da die körperliche Positivität der entkörperlichten, »polymorphen, polyvalenten, indiskreten, nichtdiskreten, synkretistischen« Macht (DE II, 761) jedwede Durchbrechung qua Reflektion verhindert und ihr formierender Zugriff gerade in jenem Gebiet am nachhaltigsten wirkt, das gemeinhin als Ort höchster Privatheit gilt: Der Sexualität.