Biologie, Politik, Biopower

Bio-Politik ist »die sorgfältige Verwaltung der Körper und die rechnerische Planung des Lebens« (WW, 167).

(Begriff des Lebens, Begriff der Macht)
Wo wollen wir damit hin (= unser «Warum»)?

ZIEL: Erarbeitung eines Begriffs von Politik, der mit dem Menschen als einem zugleich biologischen und sozialen Wesen kalkuliert.

  • Unterziel 1: Nachvollzug eines Machtbegriffs als Analysekategorie, die als historisch geworden zeigt, was als natürlich erscheint, inkl. der materiellen Substrate (Körper, Lust etc.).
  • Unterziel 2: Nachvollzug und Diskussion der parallelen Serien «Körper-Organismus-Disziplin-Institution» und «Bevölkerungbiologische Prozesse-Regulierungsmechanismen-Staat».

Unterscheidung zu Biomacht

Bio-Politik betrifft die Ebene der konkret zu beschreibenden Machttechniken (steht also auf gleicher Eben wie Selbsttechniken, Politik des Verbots, Disziplinartechniken etc.),
Bio-Macht ist eine Machtform, ein epochaler ›Machttyp‹ (gehört also in die Reihe anderer Machttypen: Juridische Macht, Disziplinarmacht) (Gehring 2006, 9 ff.).

Verbindung mit Anthropozän

(nach Eva Horn / Hannes Bergthaller) Anthropozän: zur Einführung

  • «Ich bin eine materielle Konfiguration, die Tauben im Park sind materielle Konfigurationen; die Viren, Parasiten und Schwermetalle in meinem Fleisch, und die Tauben, sind Materialitäten, wie es auch Neurochemikalien, Orkanwinde, Kolibakterien und der Staub auf dem Fußboden sind.»

  • «Materialität ist eine Rubrik, die dazu tendiert, die Beziehungen zwischen Menschen, Biota und Abiota zu horizontalisieren [...] hin zu einer ausgeprägteren Aufmerksamkeit für die komplexen Verstrickungen von Menschlichem und Nichtmenschlichem.»

  • Einer Biopolitik, die den Herausforderungen des Anthropozäns gerecht würde, kann es nicht mehr nur um den Reproduktionserfolg einzelner biologischer Arten gehen. Sie muss den Menschen von einem Parasiten des Erdsystems in ihren Symbionten verwandeln [...]. Sie muss auf der Anerkennung von artenübergreifenden Verwandtschafts- und Abhängigkeitsbeziehungen beruhen und die Überlebensfähigkeit ganzer symbiotischer Netzwerke zum Ziel haben.“ (160f.)

Verbindung mit Biomedizin

≠ Unterwerfung eines natürlichen Organismus unter die instrumentelle Rationalität von Wissenschaft, Technik und Politik

= sondern Biomedizin ist Teil der modernen Wissensregime, die an der Produktion der Natur des Körpers und seiner vielfältigen biologischen, psychischen und sozialen Pathologien teilhaben.“

(bis in den Bereich, den wir eigentlich als Natur sehen hat Biopolitik einen Einfluss)

Historisch

„Am Beginn des 21. Jahrhunderts markiert das Wort ‚Biomedizin‘ jene wechselseitige Durchdringung von Natur und Wissen, mit der das organische Leben in den Horizont menschlicher Verfügbarkeit gerückt und damit zum politischen Gegenstand geworden ist. In diesem Sinne sind moderne Gesellschaften zu BioSocieties geworden, deren Mitglieder im Namen kollektiver und individueller Gesundheitsimperative zuvörderst an sich selbst arbeiten.“

etc

Biopolitik ist die Weise, in der Machtverhältnisse «ihre Hand auf Körper legen»