Michel Foucault, The personal is political

Sagt man, »alles ist politisch«, so behauptet man damit diese Allgegenwart der Kraftverhältnisse, und dass sie einem politischen Feld immanent sind; doch erlegt man sich damit die noch kaum umrissene Aufgabe auf, dieses endlose Durcheinander aufzudröseln. Eine solche Analyse darf man nicht durch eine individuelle Schuldzuweisung nivellieren (sowie man es insbesondere vor einigen Jahrzehnten in dem sich selbst geißelnden Existentialismus praktizierte; Sie kennen das: Jeder ist verantwortlich für alles; es gibt kein Unrecht in der Welt, an dem wir im Grunde nicht mitschuldig sind); doch ebenso wenig darf man über eine dieser Verschiebungen ausweichen, die man heute gern praktiziert: Das alles leitet sich von einer Ökonomie der Ware oder von der kapitalistischen Ausbeutung oder ganz einfach von dieser verfaulten Gesellschaft ab

Was damit machen?

auch die Strategien müssen erfunden werden, die es ermöglichen, zugleich diese Kraftverhältnisse zu verändern und sie auf eine Weise zu koordinieren, dass diese Veränderung möglich wird und sich in die Wirklichkeit einschreibt. Damit ist das Problem nicht so sehr das, eine politische Position zu definieren (was uns auf eine Wahl auf einem bereits bestehenden Schachbrett zurückführt), sondern neue Schemata der Politisierung auszudenken und hervorzubringen. Wenn das Politisieren darin besteht, auf Wahlmöglichkeiten, auf ganz und gar fertige Organisationen und auf all jene Machtverhältnisse und mechanismen zurückzuführen, die die Analyse freilegt, dann ist es nicht der Mühe wert. Den großen neuen Machttechniken (die den multinationalen Ökönomien oder den bürokratischen Staaten entsprechen) muss eine Politisierung entgegengesetzt werden, die neue Formen haben wird.